Open-ID-Eizellspende in Portugal: Ein transparenterer Weg zur Elternschaft
Eine Familie zu gründen, verläuft nicht immer so, wie wir es uns vorstellen. Bei unserer Arbeit bei Ferticentro begegnen wir Paaren, die mit Unfruchtbarkeit konfrontiert sind, alleinstehenden Frauen und gleichgeschlechtlichen Paaren. Für viele von ihnen ist eine Kinderwunschbehandlung mit gespendeten Keimzellen nicht nur ein medizinischer Weg. Es ist eine emotionale und zutiefst persönliche Reise, und wir empfinden es als Privileg, sie auf diesem Weg begleiten zu dürfen, sagt Dr. Ana Torgal, Geschäftsführerin und Fachärztin für Laboratoriumsmedizin bei Ferticentro in Portugal.
Doch was genau bedeutet Open-ID? Warum entscheiden sich so viele Wunscheltern dafür? Und warum bietet Portugal einen rechtlichen Rahmen, den viele als besser betrachten als den in Nachbarländern wie Spanien?
In diesem Artikel erklären wir das Konzept verständlich, erläutern die ethischen Überlegungen dahinter und zeigen, was Familien heute und in Zukunft realistischerweise erwarten können.
Was bedeutet Open-ID-Spende und wie funktioniert sie in der Praxis?
- Im Kern bedeutet die Open-ID-Spende – auch als nicht anonyme Spende oder identitätsoffene Spende bezeichnet, dass eine Person, die Samen- oder Eizellen spendet, damit einverstanden ist, dass ihre Identität für den durch die Spende gezeugten Menschen zugänglich wird, sobald dieser volljährig ist. In der Praxis bedeutet dies:
- Zugang zu Spenderprofilen: Potenzielle Empfängerinnen und Empfänger erhalten bereits lange vor der Auswahl einer spendenden Person ausführliche Informationen über diese. Dazu gehören körperliche Merkmale, Persönlichkeitsmerkmale, Ausbildung und manchmal auch persönlichere Angaben.
- Vertraulichkeit bis zur Volljährigkeit: Während personenbezogene, identifizierende Angaben in der Kindheit vertraulich bleiben, erlaubt das Gesetz einem durch eine Spende gezeugten Erwachsenen ab dem 18. Lebensjahr den Zugang zu identifizierenden Informationen, wenn er dies wünscht.
- Ethische Kontrolle: Kliniken befolgen strenge Protokolle zur Untersuchung von Spenderinnen und Spendern, einschließlich genetischer Untersuchungen, Tests auf Infektionskrankheiten und psychologischer Bewertungen, um sowohl die spendenden als auch die empfangenden Personen zu schützen.
Auf Klinikebene, wie beispielsweise bei Ferticentro, ist das Open-ID-Spendermodell nicht nur eine bürokratische Anforderung. Es ist fest in die Arbeitsweise der Spenderbanken und in die Entscheidungsprozesse bei der Auswahl der spendenden Person integriert. Wunscheltern werden im Rahmen des Auswahl- und Behandlungsprozesses durch spezialisierte Koordinationsteams, umfassende Spenderprofile und anschließende Beratung unterstützt.
Die Idee und die Grundprinzipien der Open-ID-Spende
Die zunehmende Verbreitung der Open-ID-Spende spiegelt umfassendere ethische und gesellschaftliche Werte in der Reproduktionsmedizin wider. Im Mittelpunkt stehen drei grundlegende Prinzipien:
1. Respekt vor der zukünftigen Identität und dem psychischen Wohlbefinden
Das Wissen um die eigene genetische Herkunft wird zunehmend nicht nur als medizinische Information, sondern auch als Bestandteil der persönlichen Identität und der psychischen Gesundheit anerkannt. Für viele Erwachsene, die durch eine Spende gezeugt wurden, kann der Zugang zu Informationen über ihre spendende Person von großer Bedeutung sein. Er kann Klarheit über die medizinische Familiengeschichte schaffen, Sicherheit hinsichtlich der biologischen Wurzeln vermitteln und zu einem umfassenderen Verständnis der eigenen Identität beitragen.
2. Sicherheit und Transparenz
Open-ID-Spenderinnen und -Spender sind in der Regel besser informiert, werden umfassender untersucht und sind besser auf die langfristigen Auswirkungen ihrer Entscheidung vorbereitet. Kliniken wie Ferticentro führen umfangreiche medizinische Untersuchungen, genetische Tests und psychologische Bewertungen durch, um die Eignung der spendenden Personen sicherzustellen.
Über die individuelle Untersuchung der Spenderinnen und Spender hinaus bietet Ferticentro auch ein genetisches Kompatibilitätsmatching zwischen der empfangenden und der ausgewählten spendenden Person an. Dabei werden bis zu 2.200 Genmutationen untersucht, um das Risiko vererbbarer genetischer Erkrankungen bei Kindern, die durch eine Spende gezeugt werden, zu verringern.
3. Ethische Verantwortung
Die Open-ID-Spende wirkt unklaren oder verborgenen Praktiken entgegen. Aus rechtlicher und ethischer Sicht stellt dieses Modell sicher, dass die elterlichen Rechte und der rechtliche Status der spendenden Personen klar definiert sind und respektiert werden.
Spenderinnen und Spender haben keine elterlichen Rechte, während Kinder, die durch eine Spende gezeugt wurden, das Recht auf Zugang zu Informationen über ihre genetische Herkunft haben, ohne dass dadurch rechtliche Ansprüche gegenüber den Eltern entstehen, die sie großgezogen haben.
Dieser Ansatz steht im Einklang mit den zunehmenden weltweiten Diskussionen über reproduktive Rechte, Selbstbestimmung und den Wert einer informierten Einwilligung. Anstatt spendende und empfangende Personen durch strenge Anonymität voneinander zu trennen, stellt die Open-ID-Spende beide Seiten in einen ethisch transparenten und unterstützenden Rahmen.

Dr. Ana Torgal
„In den vergangenen Jahren haben wir beobachtet, dass sich immer mehr unserer Patientinnen und Patienten besonders für eine Option interessieren: die Open-ID-Spende. Wir verstehen, warum. Es ist eine durchdachte, zukunftsorientierte Entscheidung, und Portugal hat sich still und leise zu einem der Länder in Europa mit den stärksten und ethisch fundiertesten Rahmenbedingungen für diese Behandlung entwickelt.“ Dr. Ana Torgal
Warum Portugal besonders starke Rahmenbedingungen für Open-ID-Spender bietet
Portugals Ansatz zur Open-ID-Spende ist nicht nur fortschrittlich. In vielerlei Hinsicht bietet das Land einen der spender- und empfängerfreundlichsten rechtlichen Rahmen in Europa.
1. Gesetzliche Verpflichtung zur nicht anonymen Spende
Im Jahr 2018 entschied das portugiesische Verfassungsgericht, dass die anonyme Spende von Keimzellen (Eizellen und Samenzellen) verfassungswidrig ist, wodurch die anonyme Spende im Land faktisch beendet wurde.
Infolgedessen erfolgen alle Keimzellspenden nach 2018 im Rahmen eines nicht anonymen (Open-ID-)Modells. Das bedeutet, dass Erwachsene, die durch eine Spende gezeugt wurden, ab ihrem 18. Lebensjahr Zugang zu Informationen über ihre spendende Person erhalten können.
Diese gesetzliche Grundlage schafft sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für Kliniken Einheitlichkeit und Klarheit: Empfängerinnen und Empfänger wissen von Anfang an, dass die spendenden Personen nicht anonym sind, und Kinder, die durch eine Spende gezeugt wurden, haben dauerhafte Rechte hinsichtlich ihrer genetischen Herkunft.
2. Schutz und Rechte von Menschen, die durch eine Spende gezeugt wurden
Das portugiesische Recht schreibt vor, dass die Daten der spendenden Personen mindestens 75 Jahre lang aufbewahrt werden und dass ihre Identität zugänglich gemacht werden kann, sobald das Kind die gesetzliche Volljährigkeit erreicht hat.
Diese langfristige Datenspeicherung stellt sicher, dass medizinische Informationen und Angaben zur biologischen Herkunft über einen langen Zeitraum verfügbar bleiben.
3. Qualität, Auswahl und Vielfalt in Spenderbanken
Ferticentro betreibt die größte Open-ID-Spenderbank Portugals und bietet eine vielfältige Auswahl an Spenderinnen und Spendern, damit Empfängerinnen und Empfänger die am besten geeignete biologische Übereinstimmung finden können.
4. Ethische und psychologische Unterstützung
Sowohl spendenden als auch empfangenden Personen werden Beratung und Unterstützung angeboten.
Neben der psychologischen Bewertung, die im Rahmen des Auswahlverfahrens für Spenderinnen und Spender durchgeführt wird, bereitet die Spenderberatung auf einen möglichen zukünftigen Kontakt vor. Die Beratung der Empfängerinnen und Empfänger hilft Wunscheltern dabei, die emotionalen und ethischen Aspekte der Spenderauswahl und der Entscheidung über die Offenlegung der Spende zu bewältigen.

Dr. Simone Subtil
„Bei Ferticentro betrachten wir die Open-ID-Spende weder als Trend noch als Zusatzleistung. Sie ist im portugiesischen Rechtssystem verankert, wird durch strukturierte Beratungsangebote unterstützt und basiert auf einem Spenderprogramm, das wir mit Blick auf langfristige Transparenz aufgebaut haben.“ Dr. Simone Subtil, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Ferticentro
Wie sich Portugal von Spanien und anderen Ländern unterscheidet
Ein Vergleich Portugals mit anderen europäischen Ländern, insbesondere Spanien, verdeutlicht die unterschiedlichen philosophischen und rechtlichen Ansätze hinsichtlich der Identität von Spenderinnen und Spendern.
Spanien: Die Identität der spendenden Person bleibt streng anonym
In Spanien unterliegen Eizell- und Samenspenden einem System gesetzlich vorgeschriebener Anonymität. Die Identität der spendenden Personen darf weder gegenüber den Empfängerinnen und Empfängern noch gegenüber den durch die Spende gezeugten Kindern offengelegt werden, auch nicht zu einem späteren Zeitpunkt.
Dadurch entstehen sehr unterschiedliche Voraussetzungen:
- Zugang zu identifizierenden Informationen versus fehlender Zugang: Empfängerinnen und Empfänger in Spanien erhalten begrenzte Informationen über spendende Personen, die sich auf medizinische Kriterien und phänotypische Merkmale konzentrieren, jedoch keine identifizierenden Angaben enthalten.
- Psychologischer Abschluss versus lebenslange Ungewissheit: Erwachsene, die in Spanien durch eine Spende gezeugt wurden, haben keinen gesetzlichen Weg, die Identität ihrer spendenden Person zu erfahren. Dies führt häufig zu anhaltender Ungewissheit und langfristigen Herausforderungen bei der Identitätsbildung und psychologischen Verarbeitung im Laufe des Lebens.
- Einfacherer Zugang zur Spende versus langfristiger Zugang zur Identität: Das spanische Modell legt den Schwerpunkt auf die Vertraulichkeit der Spenderidentität, was nach Ansicht vieler Fachärzte zu einer höheren Zahl an Spenderinnen und Spendern beitragen kann, gleichzeitig jedoch den Zugang zur genetischen Herkunft einschränkt. Im Gegensatz dazu ermöglicht das portugiesische Open-ID-Modell Menschen, die durch eine Spende gezeugt wurden, zukünftige Entscheidungen zu treffen, ohne die Sicherheit oder die rechtliche Stellung der spendenden Personen oder Eltern zu beeinträchtigen.
Informationen und Möglichkeiten, die Empfängerinnen und Empfängern heute und in Zukunft zur Verfügung stehen
Informationen, die Empfängerinnen und Empfänger unmittelbar erhalten
Bei der Auswahl einer Open-ID-Spenderin oder eines Open-ID-Spenders in Kliniken wie Ferticentro können Empfängerinnen und Empfänger folgende Standards und Informationen erwarten:
- Erweiterte Spenderprofile mit körperlichen Merkmalen (z. B. Körpergröße, Augenfarbe), Bildungshintergrund, Hobbys, Lebenszielen und Persönlichkeitsmerkmalen, innerhalb der gesetzlichen Grenzen.
- Spenderinnen und Spender werden umfassend auf genetische Erkrankungen und Infektionskrankheiten untersucht. Zudem werden psychologische Bewertungen durchgeführt, um ihre Eignung zu bestätigen, bevor sie für die Auswahl zur Verfügung stehen.
- Optionales genetisches Kompatibilitätsmatching zwischen der empfangenden und der spendenden Person, bei dem gemeinsame Genmutationen in bis zu 2.200 Genen untersucht werden.
Diese umfassenden Informationen unterstützen eine informierte und sorgfältig abgewogene Entscheidung.
Langfristiger Zugang zu Informationen in der Zukunft
- Zugang zur Spenderidentität ab 18 Jahren: Kinder, die durch eine Spende gezeugt wurden, haben das Recht, Informationen über die Identität der spendenden Person zu erhalten, sofern sie dies wünschen.
- Gesundheits- und Erbinformationen: Den zukünftigen Erwachsenen stehen verfügbare genetische Informationen über die spendende Person zur Verfügung, die wertvolle Erkenntnisse für die weitere medizinische Versorgung und die Familienplanung liefern können.
- Vertrauliche, aber zugängliche Datenbank: Die Informationen werden sicher aufbewahrt, wobei ein Gleichgewicht zwischen dem Schutz der Privatsphäre und dem Recht auf Zugang zu Identitätsinformationen unter den entsprechenden Voraussetzungen gewährleistet wird.
Dieser flexible Zugang zu Daten ist einer der wesentlichen Vorteile des portugiesischen Open-ID-Systems.
Klinischer Fall
Der folgende klinische Fall einer Patientin bei Ferticentro zeigt, wie diese ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen in der tatsächlichen Patientenversorgung umgesetzt werden.
Er beschreibt den Weg einer spanischen Patientin, die sich in Portugal mithilfe einer Samenspende ihren Wunsch nach einer alleinigen Mutterschaft erfüllen möchte. Ihre Motivation beruht nicht nur auf dem Zugang zur Behandlung, sondern vor allem auf der Möglichkeit zukünftiger Transparenz für ihr Kind durch das Open-ID-Modell. In Spanien hätte ein durch eine Samenspende gezeugtes Kind niemals Zugang zu diesen Informationen.
Der Fall verdeutlicht außerdem die Bedeutung einer individuellen genetischen Beratung und multidisziplinären Unterstützung in der modernen Reproduktionsmedizin.
Es handelt sich um eine 36-jährige spanische Patientin, die ihren Kinderwunsch als alleinstehende Mutter verwirklichen möchte. Sie entschied sich aufgrund der portugiesischen Gesetzgebung zur nicht anonymen Spende für eine Behandlung in Portugal.
Die Patientin weist keine relevante persönliche oder gynäkologische Krankengeschichte auf. Sie ist nulligravida (eine Frau, die noch nie schwanger war) und hatte bereits im Alter von 31 Jahren in Spanien ihre Eizellen kryokonservieren lassen.
In der Familienanamnese ist eine Retinitis pigmentosa beim Großvater mütterlicherseits bekannt. Die Mutter der Patientin unterzog sich einer genetischen Untersuchung, bei der keine genetischen Veränderungen festgestellt wurden.
Der Fall wurde von unserem Genetiker beurteilt. Die Patientin wurde darüber informiert, dass trotz des Fehlens nachgewiesener genetischer Veränderungen bei ihrer Mutter eine Anlageträgerschaft für eine mögliche X-chromosomal vererbte Retinopathie nicht vollständig ausgeschlossen werden kann.
Ihr wurde außerdem erklärt, dass sich das Wiederholungsrisiko der Erkrankung bei den Embryonen nicht beurteilen lässt, da innerhalb der Familie keine genetische Ursache identifiziert wurde. Daher besteht keine Indikation für eine PGT-M.
Die Patientin befindet sich derzeit im Prozess der Spenderauswahl. Sie hat sich für ein genetisches Matching entschieden, dessen Ergebnisse im Rahmen einer genetischen Beratung besprochen werden.
Fazit
Die Open-ID-Spende stellt einen modernen, ethischen und menschenzentrierten Ansatz der Kinderwunschbehandlung dar.
In Portugal bietet sie, unterstützt durch einen klaren rechtlichen Rahmen und Kliniken wie Ferticentro, Wunscheltern Transparenz, Wahlmöglichkeiten und ethische Sicherheit. Gleichzeitig wird gewährleistet, dass Erwachsene, die durch eine Spende gezeugt wurden, lebenslang Zugang zu ihrer Identität behalten.
Diese Inklusivität, verbunden mit hochwertigen klinischen Verfahren und psychologischer Unterstützung, ist der Grund, warum die Open-ID-Spende als eine der besten Möglichkeiten für Familien gilt, die in Portugal eine Kinderwunschbehandlung mit gespendeten Keimzellen suchen.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
1. Was ist eine Open-ID-Spenderin bzw. ein Open-ID-Spender und worin besteht der Unterschied zu einer anonymen Spende?
Eine Open-ID-Spenderin oder ein Open-ID-Spender ist eine Person, die Eizellen oder Samenzellen im Rahmen eines nicht anonymen Spendermodells spendet. Das bedeutet, dass sie damit einverstanden ist, dass der durch diese gespendeten Keimzellen gezeugte Mensch bei Erreichen der gesetzlichen Volljährigkeit Zugang zu identifizierenden Informationen über sie erhalten kann.
In diesem Modell gilt:
- Empfängerinnen und Empfänger erhalten vor der Auswahl ausführliche Profile potenzieller Spenderinnen und Spender, einschließlich körperlicher und persönlicher Merkmale, ohne dass identifizierende Angaben im Voraus offengelegt werden.
- Menschen, die durch eine Spende gezeugt wurden, können ab dem 18. Lebensjahr Zugang zur Identität der spendenden Person beantragen.
- Spenderinnen und Spender haben keine elterlichen Rechte oder rechtlichen Verpflichtungen gegenüber den durch ihre Spende gezeugten Kindern. Sie müssen jedoch darauf vorbereitet sein, dass ihre Identität möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt zugänglich wird.
Im Gegensatz dazu bleibt bei einer anonymen Spende, wie sie häufig in Ländern wie Spanien vorkommt, die Identität der spendenden Person vertraulich. Weder die empfangende Person noch das durch die Spende gezeugte Kind haben einen gesetzlichen Zugang zu identifizierenden Informationen.
Das anonyme Modell legt den Schwerpunkt auf Privatsphäre und Vertraulichkeit, während das Open-ID-Modell Transparenz und das Recht auf Kenntnis der eigenen Identität für Menschen, die durch eine Spende gezeugt wurden, in den Vordergrund stellt.
2. Warum wird die Open-ID-Spende als vorteilhaft für zukünftige Kinder angesehen?
Die Open-ID-Spende berücksichtigt, dass der Zugang zu biologischen und genetischen Informationen für Menschen, die durch eine Spende gezeugt wurden, lebenslang erhebliche Vorteile haben kann.
Es gibt mehrere wesentliche Vorteile:
- Identität und psychologische Entwicklung: Die Möglichkeit, mehr über die eigene genetische Herkunft zu erfahren, kann Menschen, die durch eine Spende gezeugt wurden, dabei helfen, ein stärkeres Gefühl für ihre persönliche Identität zu entwickeln und ihr emotionales Wohlbefinden zu unterstützen.
- Zugang zur medizinischen Vorgeschichte: Das Wissen über den genetischen und gesundheitlichen Hintergrund der spendenden Person kann für die medizinische Versorgung wichtig sein und es ermöglichen, fundierte Entscheidungen über Gesundheitsvorsorge und Familienplanung zu treffen.
- Kontrollierter und begleiteter Zugang: Nach portugiesischem Recht werden Spenderinformationen in vertraulichen Unterlagen aufbewahrt. Wenn sich ein durch eine Spende gezeugter Mensch nach Vollendung des 18. Lebensjahres entscheidet, auf diese Informationen zuzugreifen, erfolgt dies innerhalb eines regulierten, ethischen Rahmens, wobei Kliniken wie Ferticentro diesen Prozess unterstützen.
Insgesamt schafft Open-ID ein Gleichgewicht zwischen Privatsphäre und zukünftigem Zugang. Es ermöglicht den Betroffenen, selbst zu entscheiden, wann oder ob sie ihre genetische Herkunft erforschen möchten – einen grundlegenden Aspekt der persönlichen Lebensgeschichte, den anonyme Spendermodelle nicht garantieren.
3. Wie unterstützt der rechtliche Rahmen in Portugal die Open-ID-Spende?
Portugal nimmt in Europa eine besondere Stellung ein, da das Land gesetzlich vorschreibt, dass Keimzellspenden nicht anonym sein dürfen.
Im Jahr 2018 erklärte das portugiesische Verfassungsgericht die anonyme Spende für verfassungswidrig, wodurch alle zukünftigen Spenden grundsätzlich identitätsoffen erfolgen müssen.
Dieser rechtliche Rahmen bedeutet:
- Informationen über die Identität der spendenden Person werden aufbewahrt und sind für Erwachsene, die durch eine Spende gezeugt wurden, ab ihrem 18. Lebensjahr zugänglich.
- Die Unterlagen werden gemäß portugiesischem Recht (Gesetz Nr. 32/2006) mindestens 75 Jahre lang sicher aufbewahrt, wodurch die langfristige Datenspeicherung gewährleistet wird.
- Spenderinnen und Spender werden umfassend über diesen Einwilligungsprozess informiert, um die Einhaltung ethischer Grundsätze und Transparenz sicherzustellen.
Durch diese rechtliche Struktur integriert Portugal die Open-ID-Prinzipien vollständig in den klinischen Alltag und ermöglicht Familien und Einzelpersonen einen transparenten und begleiteten Weg im Rahmen ihrer Kinderwunschbehandlung.
4. Welche Arten von Informationen über Spenderinnen und Spender stehen Empfängerinnen und Empfängern sowie zukünftigen Erwachsenen, die durch eine Spende gezeugt wurden, zur Verfügung?
In Open-ID-Systemen wie dem von Ferticentro gilt:
- Unmittelbarer Zugang für Empfängerinnen und Empfänger (vor der Behandlung): Wunscheltern können ausführliche Spenderprofile einsehen, die körperliche Merkmale, Ausbildung, Hobbys, persönliche Beschreibungen und Gesundheitsinformationen enthalten, jedoch keine identifizierenden Angaben.
- Langfristiger Zugang (ab 18 Jahren): Erwachsene, die durch eine Spende gezeugt wurden, können identifizierende Angaben über ihre spendende Person sowie gegebenenfalls aktualisierte Gesundheits- oder genetische Informationen anfordern, die bei der Klinik oder in zentralen Registern aufbewahrt werden.
- Medizinische und genetische Daten: Personen, die sich für den Zugang zu diesen Unterlagen entscheiden, können Informationen erhalten, die für ihre eigene medizinische Versorgung und Familienplanung relevant sind.
Obwohl die Weitergabe von Fotos erwachsener Spenderinnen und Spender gesetzlich verboten ist, sollen die erweiterten Profile genügend persönliche Angaben bereitstellen, um eine sorgfältige und fundierte Spenderauswahl zu ermöglichen, ohne die Privatsphäre zu beeinträchtigen.
5. Gibt es ethische Bedenken gegenüber der Open-ID-Spende und wie wird damit umgegangen?
Wie jede Möglichkeit der Kinderwunschbehandlung wirft auch die Open-ID-Spende ethische Fragen auf, insbesondere im Hinblick auf die Privatsphäre der spendenden Personen, einen möglichen zukünftigen Kontakt und die psychologischen Auswirkungen auf Menschen, die durch eine Spende gezeugt wurden.
Kliniken und Aufsichtsbehörden begegnen diesen Fragen durch folgende Maßnahmen:
- Informierte Einwilligung: Spenderinnen und Spender erhalten eine umfassende Beratung und Bewertung, um sicherzustellen, dass sie verstehen, was eine offene Spende bedeutet, einschließlich der Möglichkeit eines zukünftigen Kontakts.
- Vertrauliche Datenschutzprotokolle: Obwohl ein späterer Zugang zur Identität möglich ist, unterliegt dieser einer sorgfältigen gesetzlichen Regulierung. Spendende Personen und durch Spende gezeugte Menschen können nur dann einen Kontakt anstreben, wenn sie dies selbst wünschen.
- Unterstützung der Empfängerinnen und Empfänger: Sowohl spendenden als auch empfangenden Personen werden während des gesamten Prozesses Beratung und Unterstützung angeboten. Spenderinnen und Spender werden auf die Möglichkeit eines zukünftigen Kontakts vorbereitet, während Empfängerinnen und Empfänger bei der Bewältigung der emotionalen und ethischen Aspekte der Spenderauswahl und Behandlung unterstützt werden.
Dieser integrierte ethische Rahmen stellt sicher, dass Offenheit die persönlichen Grenzen nicht beeinträchtigt, sondern die Möglichkeiten auf verantwortungsvolle und transparente Weise erweitert.
Die Open-ID-Spende ist eine zutiefst persönliche Entscheidung, und es ist ganz natürlich, Fragen zu den ethischen, rechtlichen und emotionalen Aspekten zu haben.
Wenn Sie diese Fragen besprechen möchten, können Sie sich gerne an Dr. Ana Torgal und das Team von Ferticentro wenden. Das Team beantwortet Ihre Fragen und erklärt Ihnen, wie der Prozess in der Praxis funktioniert – ganz unverbindlich und ohne Verpflichtung, eine Behandlung zu beginnen.


