Wenn IVF kompliziert wird: Einnistungsversagen, PGT und komplexe Fälle
Für manche Frauen und Paare kann es mehr als einen Versuch benötigen, um schwanger zu werden. Wenn mehrere Behandlungszyklen der assistierten Reproduktion nicht das erwartete Ergebnis bringen oder wiederholt Schwangerschaftsverluste auftreten, kann es sich um einen komplexeren Fall handeln – und es ist völlig verständlich, dass dies frustrierend ist.
Bei IVI kommen etwa 15–20 % unserer Patientinnen zu uns, weil sie bereits vorher Implantationsstörungen erlebt haben. In solchen Situationen kann eine detailliertere Abklärung helfen, mögliche Ursachen besser zu verstehen und Behandlungsoptionen zu prüfen, die auf die jeweilige Patientin abgestimmt sind.
Die neuesten Fortschritte in der Reproduktionsmedizin haben präzisere diagnostische Möglichkeiten und personalisierte Strategien ermöglicht, die dazu beitragen können, diese Fälle besser einzuordnen.
Was bedeutet genau „wiederholtes Implantationsversagen“?
Das Implantationsversagen (RIF) beschreibt die Schwierigkeit, nach Embryotransfers in die Gebärmutter schwanger zu werden – selbst wenn scheinbar günstige Voraussetzungen vorliegen. Medizinisch kann man davon sprechen, wenn nach dem Transfer mehrerer Embryonen oder Blastozysten (Embryonen in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium, etwa 5–6 Tage nach der Befruchtung der Eizelle) keine Schwangerschaft eintritt.

Dr. Jakob Doblinger
„Die Implantation ist ein komplexer Prozess, bei dem sich der Embryo an das Endometrium anheften muss, um eine Schwangerschaft zu starten. Wenn dies wiederholt nicht gelingt, können spezifische Untersuchungen notwendig sein, um mögliche Einflussfaktoren zu beurteilen“, erklärt Dr. Jakob Doblinger, Gynäkologe bei IVI Valencia.
Bei einem kleinen Anteil der Frauen in einer Behandlung der assistierten Reproduktion kann diese Situation auftreten – auch nach Transfers von Embryonen guter Qualität.
Welche Ursachen kommen in Frage?
Implantationsversagen kann mit unterschiedlichen Faktoren zusammenhängen – sowohl mit dem Embryo als auch mit dem Organismus der Patientin. Zu den möglichen Ursachen gehören:
- Veränderungen in der Gebärmutter, z. B. Myome oder strukturelle Auffälligkeiten
- hormonelle oder metabolische Faktoren
- immunologische Aspekte wie Thrombophilien
- Probleme der Endometriumrezeptivität
- genetische Veränderungen im Embryo
In manchen Fällen können auch Faktoren der Blutgerinnung oder andere spezifische medizinische Bedingungen eine Rolle spielen.
Die Ursache zu identifizieren, ist ein entscheidender Schritt, um den passendsten Behandlungsansatz festzulegen.
Die Bedeutung einer personalisierten Diagnostik
Wenn wiederholt Zyklen ohne Erfolg stattfinden, komplexe Fertilitätskonstellationen vorliegen oder ein genetisches Risiko besteht, können Fachärztinnen und Fachärzte eine umfassende Abklärung empfehlen, die verschiedene Untersuchungen einschließt, zum Beispiel:
- erweiterte Ultraschalluntersuchungen und Gebärmutterdiagnostik
- hormonelle und genetische Analysen
- Tests zur Endometriumrezeptivität
- Abklärung möglicher immunologischer Faktoren
So kann jeder Fall individuell bewertet und die Behandlung an die spezifischen Bedürfnisse der Patientin angepasst werden.
Die Rolle der Präimplantationsdiagnostik (PGT/PID)
Die Präimplantationsdiagnostik (PGT bzw. PID) ist ein Verfahren, bei dem Embryonen vor dem Transfer in die Gebärmutter genetisch untersucht werden. Diese Analyse kann chromosomale oder genetische Auffälligkeiten erkennen, die die Entwicklung einer Schwangerschaft beeinflussen könnten.

Dr. Jakob Doblinger
„Diese Informationen können besonders hilfreich sein bei Patientinnen, die bereits Implantationsstörungen, wiederholte Fehlgeburten oder bekannte genetische Faktoren haben“, erläutert Dr. Jakob Doblinger, Gynäkologe bei IVI Valencia.
Ziel ist es, zusätzliche Informationen zu gewinnen, um Embryonen mit Merkmalen auszuwählen, die mit einer normalen Schwangerschaftsentwicklung vereinbar sind – stets im Rahmen eines personalisierten medizinischen Ansatzes.
Behandlungsoptionen bei komplexen Fällen
Je nach identifizierter Ursache können Fachärztinnen und Fachärzte unterschiedliche Optionen empfehlen, etwa:
Da jeder Fall anders ist, wird der Therapieplan an die jeweiligen Voraussetzungen und Bedürfnisse angepasst.
Ein multidisziplinärer und personalisierter Ansatz
Die Betreuung komplexer Fälle erfordert die Zusammenarbeit verschiedener Spezialistinnen und Spezialisten – zum Beispiel Gynäkologinnen und Gynäkologen, Embryologinnen und Embryologen sowie Expertinnen und Experten für reproduktive Genetik. Dieser multidisziplinäre Ansatz ermöglicht es, alle Faktoren zu bewerten, die den reproduktiven Prozess beeinflussen können, und eine umfassende Betreuung zu bieten.
Neben der medizinischen Behandlung sind Begleitung und klare Informationen entscheidend, damit Patientinnen und Paare fundierte Entscheidungen treffen können.
Spanien als Ziel für internationale Patientinnen und Patienten mit komplexen Fällen
Spanien ist ein Referenzland in der assistierten Reproduktion, insbesondere auch für internationale Patientinnen und Patienten – darunter viele aus Deutschland. Die Erfahrung der medizinischen Teams, der Zugang zu moderner Technologie und die Möglichkeit personalisierter Diagnostik führen dazu, dass sich viele Patientinnen und Paare für spezialisierte Zentren entscheiden. Zudem bietet IVI Online-Sprechstunden an, um unnötige Reisen zu vermeiden, und koordiniert sich mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten im Herkunftsland, damit während des gesamten Prozesses eine angemessene Betreuung gewährleistet bleibt.
Fazit: Der erste Schritt – das Problem verstehen
Wiederholte Implantationsstörungen oder Schwangerschaftsverluste können sehr belastend sein. Heute stehen jedoch diagnostische Möglichkeiten und Behandlungsoptionen zur Verfügung, die es erlauben, jeden Fall deutlich präziser zu untersuchen.
Ein Gespräch mit einem spezialisierten Team für assistierte Reproduktion kann helfen, mögliche Ursachen zu verstehen und die verfügbaren Optionen zu bewerten – stets mit einem personalisierten Ansatz, der auf die jeweilige Patientin abgestimmt ist.
Über den Autor
Dr. Jakob Pasquale Doblinger ist Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe mit internationaler Erfahrung in der Reproduktionsmedizin. Er studierte Humanmedizin an der Medizinischen Universität Innsbruck und absolvierte seine klinische Ausbildung an der Paracelsus Medizinischen Universität Salzburg, wo er zunächst als Turnusarzt, anschließend als Assistenzarzt und später als Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe tätig war.
Darüber hinaus sammelte er fachärztliche Erfahrung bei IVIRMA Valencia in Spanien, einer der bekannten europäischen Klinikgruppen im Bereich der Reproduktionsmedizin. Dort konzentriert sich seine Arbeit auf Reproduktionsmedizin und IVF-Behandlungen.
Zu Dr. Doblingers akademischen und klinischen Interessengebieten gehören Kinderwunschbehandlungen, IVF, hormonelle Unterstützung im Rahmen der assistierten Reproduktion, ovarielle Stimulation, wiederholte oder komplexe Kinderwunschfälle sowie die Prävention und Behandlung des ovariellen Hyperstimulationssyndroms (OHSS). Seine wissenschaftliche Arbeit umfasst Forschung zur Progesteronunterstützung bei IVF, zur Ovulationsinduktion bei Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS) sowie zu OHSS – Themen, die für Patientinnen und Patienten in der Kinderwunschbehandlung besonders relevant sind.
Er ist Mitautor wissenschaftlicher Publikationen im Bereich der Reproduktionsmedizin, darunter Arbeiten zu subkutanem Progesteron zur Unterstützung der Lutealphase bei IVF, Letrozol zur Ovulationsinduktion bei PCOS sowie ein Lehrbuchkapitel über OHSS. Durch seinen klinischen und akademischen Hintergrund vereint Dr. Doblinger medizinische Expertise mit einem fundierten Verständnis für die Herausforderungen, denen Patientinnen und Patienten während einer Kinderwunschbehandlung begegnen können.
